Schadenbeispiele aus der Praxis

Beschädigung

Für eine Glasfabrik transportieren Sie einige Paletten Maßkrüge zu einer süddeutschen Brauerei. Auf dem Weg müssen Sie wegen eines Rehs scharf bremsen. Eine der Paletten war nicht ausreichend gesichert und gerät ins Rutschen. Die Geräusche, die Sie von hinten hören, lassen schon erahnen, was sich auf dem nächsten Rastplatz bewahrheitet: Ein ordentlicher Haufen Scherben! Ihre Frachtführerhaftungsversicherung kommt für den Schaden auf.

Diebstahl

Für eine kurze Pause halten Sie an einem Autohof. Ihr Fahrzeug ist ordentlich verschlossen. In der kurzen Zeit, in der das Fahrzeug unbeaufsichtigt ist, wird es aufgebrochen und samt der Ladung gestohlen. Der verständigten Polizei gelingt es nicht, den Wagen aufzufinden. Während Ihre Vollkaskoversicherung für den Transporter aufkommt, erstattet Ihre Frachtführerhaftungsversicherung die durch den Diebstahl abhanden gekommene Fracht.

Für wen ist die Versicherung?

Eine Frachtführerhaftungsversicherung ist für alle sinnvoll die national oder international als Frachtführer Güter transportieren. Wer Fahrzeuge oder Gespanne mit mehr als 3,5 to. Gesamtgewicht einsetzt, für den ist sie sogar vorgeschriebene Pflichtversicherung. Sie sichert gegen Gefahren der Beförderung sowie der damit verbundenen Lagerung ab, soweit sich Ladung in der Verantwortung des Frachtführers befindet.

Was ist versichert?

Versichert sind die im Vertrag genannten Fahrzeuge während der Beförderung und der damit im Zusammenhang stehenden Lagerung sowie sonstige Aufwendungen und Kosten.

Der Versicherer erstattet unter anderem Reparatur- oder Ersatzkosten sowie den Beitrag zur großen Haverei. Auch Schadenabwendungs-, Schadenminderungs- oder Schadenfeststellungskosten, Kosten der Ermittlung und Feststellung des versicherten Schadens sowie Kosten durch einen für diese Zwecke beauftragten Dritten sind abgedeckt. Ebenfalls ersetzt werden die Kosten der Umladung, der einstweiligen Lagerung sowie die Mehrkosten der Weiterbeförderung infolge eines Versicherungsfalls oder versicherten Unfalls des Transportmittels.

Die Haftungssumme jedes Fahrzeugs ist in der Regel auf die vorgeschriebenen 8,33 Sonderziehungsrechte (etwa 10 Euro pro Kilogramm Fracht) beschränkt. Eine Erhöhung auf 40 Sonderziehungsrechte ist häufig möglich. Eine gesonderte Haftungsobergrenze in Euro kann je nach Anbieter und Tarif als vereinbart gelten.

Welche Gefahren und Schäden sind versicherbar?

Als versichert gelten alle Gefahren, denen die Güter während der Versicherungsdauer ausgesetzt sind. Der Versicherungsschutz kann außerdem durch individuelle Vereinbarungen erweitert oder eingeschränkt werden.

Welche Gefahren und Schäden sind nicht versichert?

Nicht versichert sind u. a. Schäden durch:

  • Krieg, Bürgerkrieg oder kriegsähnliche Ereignisse
  • Streik, Aussperrung, Arbeitsunruhen, terroristische oder politische Gewalthandlungen, unabhängig von der Anzahl der daran beteiligten Personen
  • Aufruhr und sonstige bürgerliche Unruhen
  • Beschlagnahmung, Entziehung oder sonstige Eingriffe von hoher Hand
  • Kernenergie sowie Schäden aus der Verwendung von chemischen, biologischen und biochemischen Substanzen oder elektromagnetischen Wellen als Waffen mit gemeingefährlicher Wirkung
  • Naturkatastrophen
  • Aus Nichterfüllung der Leistungspflicht aus Verkehrsverträgen
  • Be- und Entladeschäden
  • Vorsatz

Diese Aufzählung ist keinesfalls abschließend und hat nur beispielhaften Charakter. Je nach Anbieter und Tarif können hier gelistete Punkte auch Teil des Versicherungsschutzes sein.

Wo gilt die Versicherung?

Grundsätzlich gilt Versicherungsschutz innerhalb der Staaten des Europäischen Wirtschaftsraumes (EWR), sowie der Schweiz. Eine Einschränkung z. B. nur auf Deutschland ist oft möglich. Ebenso eine Erweiterung auf weitere Staaten außerhalb des EWR.

Was ist zur Erstellung eines Angebots nötig?

Zur Erstellung eines Angebots sind verschiedene Informationen nötig:

  • Anzahl der Fahrzeuge je Gesamtgewichtklasse (z. B. 7,5 to)
  • Art der Güter, die mit jedem Fahrzeug transportiert werden (z. B. Elektronik, Schüttgut, etc.)
  • Einsatzgebiet (z. B. Deutschland und Benelux-Staaten)

Sinnvolle Ergänzungen

Betriebshaftpflicht: Eine Betriebshaftpflicht ist eine unverzichtbare "must have"-Versicherung auch beim Frachtführer. Natürlich ist der Schaden an der Ladung der greifbarste Haftungsfall - allerdings sind Sie grundsätzlich auch bei Schäden haftbar, die sich auf Ihrem Betriebsgelände zutragen (z. B. Verletzung der Verkehrssicherheit durch unterlassenes Streuen), die Sie einem Besucher zufügen (z. B. Kaffee auf den Tablet-PC eines Kunden verschütten) oder die Sie beim Be- und Entladen der Fracht an dieser verursachen.

Kaskoerweiterung für Schäden durch Ladung: Eine Kaskoversicherung kommt für Schäden auf, die dem Fahrzeug unerwartet von außen zugefügt werden. Abhängig davon, ob Voll- oder Teilkasko versichert ist, ist der Katalog versicherter Gefahren unterschiedlich groß. Schäden, die Ladung am Fahrzeug verursacht (z. B. beim Bremsen), sind regulär im Normalfall allerdings nicht abgesichert. Bei einigen Versicherern ist diese Erweiterung darstellbar.

Rechtsschutzversicherung: Gerade als Branche, die zwingend von einer Fahrerlaubnis abhängig ist, müssen Sie sich rechtlich verteidigen können, wenn Ihnen Verkehrsverstöße vorgeworfen werden, die zum Entzug des Führerscheins führen können. Schadenersatzforderungen, die aus dem Ausfall Ihres Fahrzeugs entstehen, das Ihnen durch einen Dritten beschädigt wurde, können ebenso zum Streitfall werden wie Auseinandersetzungen mit Trägern der Sozialversicherung ob alle Elemente der Gesamtvergütung Ihrer Fahrer abgabenpflichtig sind. Ärger mit zahlungsunwilligen Kunden können Sie grundsätzlich ohne entstehende Zusatzkosten an den Inkassoservice abgeben (ggf. zusätzliche Kosten bei Auslandsvollstreckungen, etc.). Eine Rechtsschutzversicherung ist ein großer Gewinn für Ihr Unternehmen.